Qualitative Dividendeneinschätzungen sowie Makro- und Fundamentalanalysen sind wichtige Bewertungskriterien für die Zusammensetzung des Schroder International Selection Fund (SISF) Global Equity Yield. Fondsmanagerin Sonja Laud erläutert im Interview Ihre Strategie.
Kai Wiecking: Sie haben neben dem Fokus auf die Dividenden auch einen auf die Qualität. Hohe Dividenden sind oft Ausdruck sinkender Aktienkurse – widerspricht sich das nicht in gewisser Weise?
Sonja Laud: Ganz und gar nicht. Die Dividende ist ein absolutes Qualitätsmerkmal. Nur wenn die Rendite zweistellige Dimensionen erreicht, ist das ein Warnsignal. Hier besteht akute Gefahr auf sinkende Aktienkursen. In einem starken Unternehmen mit einer wohl formulierten Dividenden- und Investitionspolitik hat die Dividende unserer Meinung nach einen positiven Einfluss auf die operative Effizienz eines Unternehmens, da es dem Management eine gewisse Kapitaldisziplin abverlangt. Da ein Teil des Kapitals für die Dividende verwendet wird, steht automatisch weniger zur Investition zur Verfügung. Damit werden in der Regel nur die besten Investitionsideen umgesetzt und dies wiederum hat einen positiven Einfluss auf die operative Effizienz.
Kai Wiecking: Die von Ihnen favorisierten Megacaps sind sehr umfassend analysiert. Wie kann man in solch effizienten Marktsegmenten Mehrwert generieren?
Sonja Laud: Der Mehrwert liegt nicht in der Menge des zur Verfügung stehenden Research, sondern in dessen „richtiger“ Interpretation. Bei der Auswahl der Einzeltitel für den Fonds verwenden wir überwiegend das Research aus eigenem Hause. Die Nähe zu den Analysten und die Kontinuität der Analyse erlauben in der Regel nicht nur eine korrekte Einschätzung eines Unternehmens, sondern helfen auch bei der Frage des Timings, also wann eine Aktie ge- oder verkauft werden sollte.
Kai Wiecking: Der Fonds ist recht nah am Index. Warum gibt es keine aktivere, konzentriertere Anlagepolitik?
Sonja Laud: Ich denke, das hängt von der Definition „nah am Index“ ab. Im Vergleich zum MSCI Welt Index zeigt der SISF Global Equity Yield recht große Abweichungen. Der Fonds hat im Vergleich eine deutlich geringere Positionierung in den USA – rund 30 Prozent gegenüber 52 Prozent im Index – und Japan – null Prozent gegenüber rund zehn Prozent im Index – und ist deutlich stärker in Europa und Asien engagiert. Darüber hinaus zeigt der Fonds auch deutliche Abweichungen auf der Sektor-Ebene wie im Bereich Technologie. Die Gewichtung gerade hinsichtlich der geographischen Ebene hängt maßgeblich von der Attraktivität des regionalen Dividendenuniversums ab. Hier haben sich über die vergangenen Jahre insbesondere Europa und Asien als Wirtschaftsräume im Vergleich mit Japan und den USA sehr positiv entwickelt.
Kai Wiecking: Zu den wenigen regionalen Wetten zählt die Untergewichtung der USA. Woran liegt das?
Sonja Laud: Die USA verfügen im relativen Vergleich zu anderen über eine begrenzte Anzahl von Unternehmen, die eine – im globalen Kontext überdurchschnittliche Dividende zahlen. So haben im S&P 500 nur rund zehn Prozent der Werte eine Dividendenrendite von vier Prozent oder mehr, im weltweiten Vergleich liegt dieser Wert bei über 25 Prozent. Darüber hinaus befinden sich die meisten Dividendentitel in den USA in den eher defensiven Sektoren wie Versorger, Telekommunikation und Nahrungsmittelhersteller. Im Vergleich dazu bieten Europa und Asien eine viel größere Auswahl in fast allen Sektoren.
Kai Wiecking: Neben der Fundamentalanalyse gibt es noch das Makrooverlay. Wie stark überlagert dieses die Ergebnisse der Fundamentalanalyse?
Sonja Laud: Die Makroanalyse ist grundsätzlich immer auch ein Teil der Fundamen-talanalyse. Nehmen wir zum Beispiel ein Unternehmen wie BASF. Es ist in Deutschland gelistet, gleichzeitig aber global aufgestellt, das heißt zur Beurteilung des Unternehmens müssen auf jeden Fall auch Makroelemente wie der Euro-US-Dollar-Wechsekurs und Wachstumserwartungen der einzelnen Regionen mit berücksichtigt werden. Fundamentalanalyse und Makroanalyse laufen immer gemeinsam ab, das heißt wir suchen nicht die Einzeltitel nach Maßgabe unseres Makrooverlay aus.
Kai Wiecking: Sie filtern die obersten zehn Prozent der Dividendenzahler heraus, um Value-Fallen zu vermeiden. Hat dies in der Vergangenheit funktioniert?
Sonja Laud: Da unser Fokus bei der Auswahl der Einzeltitel nicht nur auf eine hohe Dividendenzahlung, sondern insbesondere auch auf Dividendenwachstum ausgerichtet ist, hilft es auf jeden Fall diejenigen Titel zu vermeiden, die in Bezug auf die Ausschüttungsquote bereits das Limit erreicht haben.
Wiecking: Frau Laud, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.
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